Ausstellungsstrasse 21
1980–2004

Nach der Schliessung vom Bazillus-Workshop Albisriederplatz Ende 1979, fand ich dann per Zufall den Keller-Raum an der Ausstellungsstrasse 21. Mein ältester Bruder Maurice kannte einen Bruno Huwyler, der einen Laden mit Hightech-Möbeln im Industrie Design an der Konradstrasse betrieb und im Keller an der Ausstellungsstrasse ein Lager hatte.

Ich war Untermieter bei Arthur Attinger, der im Parterre ein Engros-Geschäft für Obst und Gemüse hatte. Es gab kein Lavabo und das WC war oben bei Attinger im Parterre. Eine steile Holztreppe führte nach oben. Eine Baueingabe gab es zu diesem Zeitpunkt zum Glück keine. Dieser Keller wurde ein Probelokal und ein Ort, wo auch Workshops abgehalten wurden. Auch der «K.T.Geier Workshop» ging hier nahtlos weiter. 

Spontan-Workshop mit dem US-Saxer Bill Saxton

Der Workshop II war also offiziell vor allem Probelokal für Musiker, die nur einmal wöchentlich mit der Band Proben wollten. Ansonsten liefen da ab 1990 alle Konzerte unter dem Label «B-Flat», das aus dem ersten illegalen Liveclub an der Weinbergstrasse 11 entstanden war. 

Siehe auch Geschichten > Das erste B-Flat

Mit der finanziellen Hilfe von Erika Hug konnten wir über die Jahre verschiedene Änderungen und Anpassungen vornehmen. Für spätere Investitionen standen von diesem Gönnerkonto noch zirka Fr. 30‘000.- zur Verfügung. 

Auch seitens der Stadt und der MIGROS kamen finanzielle Zuschüsse um den zweiten Workshop besser einzurichten.

Im August 1984 wurde ein fusswarmer Industrie-Boden eingegossen. Das Lokal wurde neu gestrichen, elektrisch gut versorgt und es wurden die vorschriftsmässigen Feuerlöscher und eine Notausgang-Beleuchtung montiert. Darauf baute ich mit Francois Manhart eine spezielle Bar aus Gips-Platten. Sie waren mit einem versteckten Flaschenzug mit Gegengewicht versehen, die man aufklappen konnte. Die Bar war so gebaut, dass bei amtlichen Besichtigungen niemand merken würde, dass da ein temporärer Barbetrieb möglich war.

Zudem vermietete ich den Raum an den «Jazz Circle Zürich».
Ein Verein von Vinyl-Lovers, wo Mitglieder ihre raren Schellackplatten-Sammlungen bis weit zurück in die 30er- und 40er-Jahre präsentierten .
Der Circle organisierte vor allem Vorträge und ein paar Konzerte.

Zwischen 1980 und '82 («Bazillus Musikrestaurant, Stampfenbachstrasse) und 1984 und '87 («Bazillus Hotel Hirschen») fanden keine Bazillus-Konzerte statt, da ich in dieser Zeit mit den grossen Bazillus-Klubs beschäftigt war. Das änderte sich dann schnell, als der «Hirschenbazillus» 1987 geschlossen wurde. Das gesamte Equipment vom Bazillus-Hirschen kam in den Keller an der Ausstellungsstrasse 21.

Dann veranstalteten wir einen Gönnerabend, als Dank an alle Personen und Institutionen für die finanzielle Unterstützung um den «Hirschbazillus» vor einem Konkurs zu bewahren.

Mein Verhältnis zum Vermieter Arthur Attinger, der als Mieter bei der Liegenschaftenverwaltung der Stadt Zürich den Raum an mich untervermietet hatte, war über all die Jahre ein Hoch und Tief der Gefühle. Die Untervermietung war gar nicht gestattet, und immer, wenn ihm etwas nicht passte, liess er durchscheinen, dass er jederzeit einen anderen Mieter finden könne. Er hatte sicher gemerkt, dass ich da unten im Keller nicht raus wollte. Es war eine Zwickmühle zu Gunsten von Attinger. Der Mietpreis stieg und stieg, bis sich der Betrag Mitte Neunziger verdoppelte. Ich musste deshalb wiederum meinen Untermietern für das Probelokal mehr Miete verlangen. 

1994 erwischte uns Attinger bei einer illegalen B-Flat-Session. Er drohte sofort die Schlösser auszuwechseln und meinte die Kündigung komme demnächst. Ich einigte mich mit ihm, die illegalen Konzerte einzustellen und den Raum hie und da als Partyraum und für Spezialabende zu vermieten. Es gab eine kurze Zeit sogar von Attinger selbst organisierte Sonntagmorgen-Jazz-Brunches, die er aber sofort wieder einstellte, da es «unter dem Strich nichts gebracht habe»…

Dann machte er eine monatelange Tour in einem Wohnwagen durch ganz Europa. Als er zurückkam, machte er den Vorschlag bei mir einzusteigen. Er wolle auch noch etwas vom restlichen Leben haben. Später kam dann plötzlich der Chef der Wirtschaftspolizei persönlich in den Workshop und machte mir ein Kompliment: …er habe noch nie einen derart schönen, illegalen Klub in der Stadt gesehen. Die WiPo könne durchaus in Betracht ziehen, mir eine Bewilligung für ein Konzert pro Monat zu geben, wenn wir das mit dem Notausgang lösen würden. Arthur kannte den WiPo-Beamten persönlich und war mit ihm per Du (!). Das machte mich stutzig…

Ich gelangte dann direkt an die Liegenschaftenverwaltung der Stadt Zürich (LVZ). Ich wollte mal direkt abklären, was das kosten würde, einen zweiten Notausgang einzubauen. Langsam kam von der LVZ die Idee rein, den Raum richtig auszubauen, mit allem drum und dran. Sie fanden, dass dieses Mietverhälnis alles andere als gerecht sei.

Die Liegenschaften-Verwaltung der Stadt Zürich hatte dann in einem Schreiben Attinger und mich gebeten, auf einen neuen Vertrag einzugehen, mit dem ich direkt bei der Stadt Untermieter würde. Attinger ging an die Decke und schickte mir am 12. Juni 2001 die Kündigung. 

Jetzt ging’s los: Die LVZ übernahm als Vermieterin die ganze Chose und setzte die besten Anwälte der Stadt ein, um durchzusetzen, dass Attinger nach 21 Jahren verbotener Untervermietung einlenken müsse. Dann ging es mit uns allen vor den Friedensrichter. Attinger hatte den Streit verloren. Wegen unserem neuen Notausgang musste er sogar noch ein paar Quadratmeter von seiner Fläche abgeben. Danach haben wir uns nie mehr gegrüsst. Kurz danach hat er sein Geschäft verkauft. Der Firmenname blieb. 

Next Step: der «Bazillus» wird ab Frühling 2004 von der LVZ und dem Amt für Hochbauten für uns Bazillen eingebaut und am 3.Dezember 2004 unter dem neuem Namen «Bazillus ad hoc live club" eröffnet.

Der Umbau beginnt…